Lanzarote? Kenne ich, werden die meisten sagen, weil sie vielleicht schon einmal am Strand von Puerto del Carmen lagen, oder im faszinierenden Nationalpark Timanfaya gewandert sind. Von der Hauptstadt Arrecife kennen ausländische Gäste hingegen meist nur den Flughafen – was die Inselverwaltung ändern möchte. Mit einem breiten Festival-Angebot sollen Urlauber in die Stadt gelockt werden: Literatur, Film und Musik werden mit mehrwöchigen Kulturprogrammen gefeiert und viele Veranstaltungen sind für Bewohner und Besucher kostenlos! In diesem Artikel stelle ich die sträflich unterschätzte Inselhauptstadt und das sensationelle Festival „Arrecife en vivo“ vor.

Legendäres Musikfestival auf Lanzarote
Die Musik weist den Weg. Über eine federnde Holzbrücke gehe ich zum Konzertgelände, das im Meer vor der Stadt liegt, und muss erst einmal meine Augen abschirmen: So gleißend weiß strahlt der Platz in der Sonne. Psychodelisch blau schimmert Wasser in einem flachen, organisch geschwungenen Becken, das sich über die Hälfte der künstlichen Insel erstreckt. Palmen und Kakteen stehen in Kübeln aus schwarzem Lavastein am und im Pool, der eigentlich ein Kunstwerk ist. Entworfen von César Manrique, dem bekanntesten Künstler Lanzarotes. Islote de la Fermina heißt der märchenhafte Ort und ist eine der Spielstätten des Festivals „Arrecife en vivo“.


Kostenlose Konzerte an außergewöhnlichen Orten
Auch wenn ich keine Flamencotänzerinnen erwartet habe – an Gitarrenklänge und einen Hauch Folklore hatte ich schon gedacht. Stattdessen spielt die Band auf der Bühne Rock und singt auf Englisch. Das steht für mich im Widerspruch zum Pool und Palmen-Ambiente am Meer. Die einheimischen Musiker, mit denen ich im Café des Inselchens ins Gespräch komme, empfinden das aber ganz anders. Sie haben ihre Band „John Doe“ genannt, nach den namenlosen Toten in amerikanischen Filmen und Serien, und sind sehr experimentierfreudig.

Die Band „John Doe“ besteht eigentlich aus drei Männern: Im Café sitzen aber nur Ruben Rodriguez und Jesus Curbelo. Als ich frage, ob die Musik ihr Hauptberuf ist, lachen sie. Es sei unmöglich auf den Kanaren den Lebensunterhalt mit der Art von Musik zu bestreiten, die sie machen. Und so arbeitet Ruben als Mathematiklehrer und sein Bandkollege Jesus in der Informativ. Umso wichtiger ist der Auftritt bei „Arrecife en vivo“ für John Doe.
Festival „Arrecife en vivo“ ist ein Großereignis auf den Kanaren
Die Kanaren lieben es, auszugehen. Das ist auch der Grund, warum das Festival mit seiner extrem unterschiedlichen Musik aus Rock, Pop und Rap so gut ankommt.

Von der Islote de la Fermina in die Altstadt von Arrecife
Das Außergewöhnlichste an „Arrecife en vivo“ ist das Konzept: Die Konzertbesucher ziehen gemeinsam zur nächsten Spielstätte. Angeführt von Buli, The King, dem als Elvis verkleideten Maskottchen des Festivals. Aus einem Korsett, das der kleine, schlanke Mann versteckt unter einer sternenglitzernden Jacke trägt, ragt aus seinem Rücken eine lange Metallstange heraus, und an ihrem Ende ist ein dreidimensionales Plastikschild in Form einer übergroßen, gelben Hand befestigt. Auf dem ausgestreckten Zeigefinger der Hand steht „Next Concert“ und alle folgen der Richtung, in die der Finger weist.
Party für Besucher und Bewohner
Erst marschiert die ganze Combo zurück über die federnde Holzbrücke, dann durch die kleinen Straßen der Altstadt. Es kommen immer mehr Menschen dazu, und alle ziehen tanzend und lachend durch Arrecife. Eltern fassen ihre Kinder an den Händen und drehen sich zur Musik im Kreis. Jugendliche mit lilafarbenen Strähnen in den Haaren recken ihre Bierflaschen in die Höhe und gutgelaunte, grauhaarige Männer und Frauen stoßen mit ihnen an. Ein buntes Familienfest. Auch Elvis gibt englische Songs zum Besten, doch erst als er ein spanisches Lied anstimmt, singen die Menschen begeistert mit. Nach 15 Minuten kommt der Zug bei der nächsten Bühne an: dem Parque Ramirez Cerdá, einem kleinen Park am Meer, und das nächste kostenlose Konzert, dieses Mal von der großartigen Bewis de la Rosa beginnt.
Warum organisiert die Inselverwaltung kostenlose Festivals?
Arrecife war in Lanzarote immer die vergessene, vernachlässigte Stadt, weil es andere touristische Zonen gibt, die sehr attraktiv sind: Playa Blanca, Costa Teguise, Puerto del Carmen. Und so ist die Idee entstanden, über mehrere Wochen an unterschiedlichen Spielorten das Festival in der Hauptstadt zu veranstalten. Damit Besucher und Bewohner, die Musik, Kunst und Literatur mögen, das an besonders schönen Punkten der Stadt gemeinsam tun können – und das meistens kostenlos.

Wann findet das Festival 2025 in Arrecife statt?
2025 wird „Arrecife en vivo“ an vier Wochenenden im September und Oktober stattfinden. Details zu den Terminen, Bands und Spielorten gibt es in Kürze auf der offiziellen Homepage.
Hoteltipp in Arrecife
Mitten im Geschehen, direkt gegenüber vom Strand Playa del Reducto, der Altstadt und der märchenhaften Islote de la Fermina liegt das Hotel Lancelot*. Der perfekte Ort, um die unterschätzte Inselhauptstadt und die Festivals zu besuchen.


Tipps fürs Sightseeing in Arrecife
Sehenswert sind die kleinen Gassen der Altstadt, die schattig und ruhig sind, und die großen Plätze, die eine herrlich altertümliche Atmosphäre verströmen. Besonders schön ist die Plaza de las Palmas, wo der hohe Glockenturm der Kirche San Ginés de Clermont alle umliegenden Gebäude überragt. Architektonisch ist die Altstadt der Prototyp eines Dorfes auf Lanzarote, mit den typischen weißen Häusern.

Palmen spenden den Häuschen Schatten, lilafarbener Bougainvillea wuchert an ihren Wänden, und fröhliches Lachen dringt aus einer kleinen Bar, die versteckt am Plaza de las Palmas liegt.
Genusstipp: Cortado „con hielo“
Die Einheimischen genießen den ersten Cortado des Tages und ich tue es ihnen nach. Der Cortado ist ein typisch spanisches Kaffeegetränk aus Espresso, süßer Kondensmilch und aufgeschäumter Milch, „con hielo“, mit Eis, bestellt besonders köstlich.

Der neue Yachthafen der Inselhauptstadt
Er darf bei einem Citytrip nicht fehlen – der neue Yachthafen. Hier liegen nicht nur kleine und große Segelboote vor Anker, sondern es gibt auch eine lange Promenade entlang der Schiffe und Dutzende Restaurants, Cafés und Bars, die den Aufenthalt im Yachthafen zum Erlebnis machen.

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Ich habe das Festival im Rahmen einer Pressereise von Tourspain besucht.
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